Information in der Bibel und in der Naturwissenschaft

Hartmut Ising

Zusammenfassung

Von einigen Naturwissenschaftlern und Philosophen wird auf die Bedeutung der Information hingewiesen. Dabei wurden Parallelen zur und zu Aussagen der Bibel aufgezeigt. Anhand einiger Zitate aus der griechischen Philosophie und der Bibel werden drei Formen der Information unterschieden: 1.) die reine Information, die dimensionslos und unabhängig von Informationsträgern ist (z.B. Ideen), 2.) die dynamische Information, die als Zeitverlauf übertragen wird (z.B. das gesprochene Wort) und 3.) die auf materiellen Trägern gespeicherte Information (z.B. DNA, DVD). Philo von Alexandria [1. Jahrhundert n. Chr.] sah im gesprochenen Wort die Konkretisierung der Schöpfung und schrieb: „Denn während Gott das Wort sprach, erschuf er im selben Moment.“ Dieser Gedanke führt zu der Hypothese, dass der Informationsfluss multipliziert mit dem Planckschen Wirkungsquantum einer Energie äquivalent ist. Nach dieser Hypothese kann der Anfang unseres Universums so verstanden werden, dass Gott seinen Plan im Anfang der Zeit in dynamische Information überführte bzw. als Schöpferwort aussprach. Dieses Wort enthält den göttlichen Plan für das Universum und die Erde, nach dem sich das Universum entwickelte und expandierte – in Übereinstimmung mit Jesaja 40:22. Das machvolle Wort Gottes, das nach der Bibel unsere Welt erhält, könnte nach der Hypothese mit der dunklen Energie identisch sein, die zur Erklärung der beschleunigten Expansion des Universums gefordert wird. Abschließend wird das Geheimnis des Messias anhand von rabbinischen Zitaten dargestellt.

Einführung: Naturwissenschaft, Information und Gottes Wort

Weizsäcker [1] schrieb über die Information: „Man beginnt sich daher heute daran zu gewöhnen, daß Information als eine dritte, von Materie und Bewußtsein verschiedene Sache aufgefaßt werden muß. Was man damit entdeckt hat, ist an neuem Ort eine alte Wahrheit. Es ist das platonische Eidos, die aristotelische Form, so eingekleidet, daß auch ein Mensch des 20. Jahrhunderts etwas von ihnen ahnen lernt.“

Im Folgenden soll den Wurzeln dieser alten Weisheit nachgegangen werden und über ihre Bedeutung für das physikalische Weltbild nachgedacht werden. Zu Letzterem führte Weizsäcker [1] aus: „Die These: "Materie ist Form" bedeutet, daß die Elementarteilchen aus Uralternativen aufzubauen wären. Die These: "Masse ist Information" besagt, daß Information die Anzahl der in einer Situation eingehenden Uralternativen ist. Die These: "Energie ist Information" bedeutet, daß alles über die Masse Gesagte, auch von der Energie gilt.“

Wheeler [2] setzte diesen Gedanken mit seinem Ausdruck „It from bit“ fort und erklärte ihn folgendermaßen: „It from bit“ symbolisiert die Idee, dass jede Erscheinung der physikalischen Welt fast immer als tiefliegendste Grundlage eine nicht materielle Quelle und Erklärung hat; dass alles, was wir Realität nennen, letzten Endes daraus entsteht, dass Ja-Nein Fragen gestellt werden und die durch die Untersuchungsausrüstung bedingten Antworten registriert werden; kurz gesagt, dass die physikalischen Erscheinungen einen informations-theoretischen Ursprung haben.“

Auch Zeilinger [3] äußerte die Überzeugung, dass die Information die eigentliche Grundlage der Physik ist und wies dabei auf die biblische Wurzel dieser alten Weisheit hin, indem er den Anfang des Evangeliums nach Johannes zitierte: Im Anfang war das Wort.

Das von Zeilinger angeführte Bibelzitat führt zusammen mit Vers 3 des Evangeliums nach Johannes zu der Aussage: Im Anfang war das Wort … alles wurde durch dasselbe. Das bedeutet, dass die gesamte Schöpfung ihren Ursprung in dem Wort hat; – die Übereinstimmung mit dem Abschluss von Wheelers Aussage ist deutlich.

Das Wort – griechisch: logos – bedeutet soviel wie Gedanke, Idee, Plan oder Information. Der jüdische Bibelgelehrte und Philosoph Philo von Alexandria schreibt dazu [4]: „Die immaterielle Welt war schon innerhalb des göttlichen Logos vollendet, und nach diesem Modell wurde die mit den äußeren Sinnen wahrnehmbare Welt gemacht.“ Er beschreibt als Beispiel, wie der Erbauer einer Stadt zunächst den ganzen Plan vor seinem geistigen Auge entwickelt, und fährt dann fort: „So müssen wir nun zu einer irgendwie vergleichbaren Vorstellung von Gott kommen, der … sich als erstes das Schema der Welt im Geist vorstellte und nach diesem Schema eine nur intellektuell wahrnehmbare Welt machte. Dann vollendete er nach diesem Modell eine für die äußeren Sinne wahrnehmbare Welt.“

Wie wurde nun aus der göttlichen Ur-Information, dem Wort oder Plan Gottes, die Schöpfung? Philo von Alexandria schreibt dazu: „Denn während Gott das Wort sprach, erschuf er im selben Moment.“ Diese Sicht hat er aus der Bibel abgeleitet. In den Psalmen wird die Ausführung des Schöpferhandelns Gottes mit seinem Sprechen in Zusammenhang gebracht Psalm (33,9): „Denn er sprach, und es war; er gebot, und es stand da.“ Im Neuen Testament finden wir in Hebräer 11,3 eine entsprechende Aussage: "Durch den Glauben verstehen wir, dass die Welten durch Gottes Wort (rema = Sprechen = Informationsfluss im Gegensatz zu logos = Wort, Gedanke, Idee) bereitet worden sind, so dass das, was man sieht, nicht aus Erscheinendem geworden ist“.

In dem folgenden Beispiel sollen drei unterschiedliche Formen der Information anschaulich gemacht werden. Ein Komponist beschäftigt sich in Gedanken mit einem neuen Werk. Er denkt über eine kurze Melodie nach, das Thema für seine neue Komposition. Erste Entwürfe verwirft er, bis er schließlich eine Klangfolge gefunden hat, der er in seinem Inneren begeistert zustimmt. Niemand kennt diese kurze Melodie, niemand hat sie gehört, aber der Komponist weiß, „das ist mein Thema“. Dann setzt er sich ans Klavier und spielt diesen Anfang seiner neuen Komposition. Vor diesem ersten Erklingen der neuen Melodie existierte sie bereits als reine Information – unabhängig von einem Informationsträger – im Geist des Künstlers. In einer anschließenden Aufnahme kann die neue Komposition z. B. auf einer CD gespeichert werden. Dadurch wird die Information in die statische Form überführt, was in der physikalischen Welt einen materiellen Speicher bzw. Informationsträger erfordert.

Im Rahmen dieses Artikels werden folgende drei Zustände von Information unterschieden:

  1. Reine Information – dimensionslos und unabhängig von Informationsträgern (z.B. Ideen, Pläne, mathematische/geometrische Prinzipien),
  2. dynamische Information – als Zeitverlauf übertragene Information, in der Regel auf einem energetischen Informationsträger (z.B. akustische oder elektromagnetische Wellen).
  3. Statische Information – auf einem materiellen Informationsträger in Abhängigkeit vom Ort gespeichert (z.B. auf Speicherchips, DVD, DNA, Papier).

Hypothetische Äquivalenz von Informationsfluss und Energie

Die Äquivalenz von Materie und Energie wurde von Einstein angegeben in seiner Formel, Energie gleich Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat. Nach Weizsäcker [1974] sollte außerdem ein Zusammenhang zwischen Energie und Information bestehen. Allerdings wurde bisher keine quantitative Hypothese zur Äquivalenz von Energie und einer geeigneten Form der Information aufgestellt.

Nach den obigen Überlegungen wird nun Weizsäckers allgemeine These spezifiziert zu einer quantitativen Hypothese der Äquivalenz von dynamischer Information und Energie: Das Produkt aus dem Planckschen Wirkungsquantum h mit dem Informationsfluss I ist einer Energie E äquivalent [5]:

E = I h.

Um diesen Faktor muss nach der Hypothese der Erhaltungssatz von Masse und Energie erweitert werden. Da aber diese Welt durch das Schöpferwort bzw. den göttlichen Informationsfluss ins Dasein gerufen wurde, schreibe ich den Erhaltungssatz nach Division durch h in der Form:

I + E/h + mc²/h = constant.

Gottes Befehl und der Anfang der physikalischen Welt

Nach dieser Hypothese kann der Anfang unseres Universums so verstanden werden, dass Gott seinen ewigen Plan, also reine Information, im Anfang der Zeit in dynamische Information überführte und durch dieses Schöpferwort sowohl Zeit und Raum als auch die physikalische Welt erschuf.

Der extrem hohe Informationsfluss des Schöpferwortes ist – nach der Hypothese – einem riesigen Betrag an negativer Energie gleich, der zu der ursprünglichen inflationären Expansion des Ur-Universums führte. Das im ersten Moment der Zeit ausgesprochene Wort des Schöpfers war der Ursprung des Universums. Dieses Wort enthielt den göttlichen Plan für das Universum und die Erde.

Nach diesem göttlichen Plan entwickelte sich das Universum und expandierte in Übereinstimmung mit den Worten in Jesaja 40:22 „Gott ist es, der die Himmel ausspannt wie einen Schleier und ihn ausbreitet wie ein Zelt zum Wohnen.“

Die Expansion des Universums wurde im 20. Jahrhundert von Astronomen beobachtet aber schon vor 2500 Jahren von Jesaja beschrieben.

Das machtvolle Wort Gottes erhält das Universum

Die Bibel beschreibt Anfang und Ende des zeitlichen Universums. Der unidirektionale Zeitverlauf in unserem Universum gehört heute zu den großen Problemen der Physik.

Penrose [6] zeigte, dass zur Erklärung dieses Zeitverlaufes eine Feinabstimmung am Anfang des Universums von 1/e10123 notwendig war. Wir wollen die negative Energie ermitteln, die nach der Hypothese zu erwarten wäre, wenn die für diese Feinabstimmung notwendige Information das Universum durchfließt. Die genannte Feinabstimmung entspricht einer Information von etwa 10123 bit. Wenn wir für die Dauer des Informationsflusses das Alter des Universums einsetzen – knapp 14 Milliarden Jahre – so erhalten wir einen Betrag negativer bzw. dunkler Energie von ca. 1072 Joule. Dieser Wert steht in Übereinstimmung mit dem derzeit experimentell ermittelten Wert der Dunklen Energie im gesamten Universum.

Das Geheimnis des Messias

In der alten jüdischen Literatur finden sich bedeutsame Aussagen zu dem Geheimnis des Messias. Zu Psalm 2:7 „Kundtun will ich den Ratschluss des HERRN; er hat zu mir gesagt: «Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt“, erklärt der Midrasch [7]: „Es handelt sich um die Ratschlüsse des Königs, des Königs der Könige, und es wird kundgetan, dass dies dem König-Messias geschieht.“

Auch der Psalm 72 ist nach dem Midrasch ein Lob auf den König-Messias. Vers 17 lautet im Hebräischen: „Bevor die Sonne war, war sein Name Yinnon“ (er möge sprießen; Spross ist einer der Namen des Messias, vgl. Jes11:1). Nach dem Midrasch wurde dieser Name schon vor Erschaffung der Welt dem König-Messias verliehen.

Auch RaSHI (Rabbi Schlomo ben Jizchak, 11.Jahrhundert) bezieht sich auf Ps.72 in seinem Kommentar zu Micha 5:1

„Und du, Bethlehem-Ephrata, du bist zwar klein, um unter den Hauptorten Judas zu sein; aber aus dir soll mir hervorgehen, der Herrscher über Israel werden soll, dessen Ursprung von Urzeiten her gewesen ist.“

RaSHI schreibt [8]: Aus dir soll mir hervorgehen: der Messias, der Sohn Davids, und so sagt die Schrift (Ps.118:22): „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden;“ dessen Ursprung von Urzeiten her gewesen ist: „Bevor die Sonne war, war sein Name Yinnon“ (Ps. 72:17).

Rabbi David Qimhi oder Kimchi (RaDaK, 1160–1235) führt diesen Gedanken weiter aus [9]:

„Im messianischen Zeitalter wird gesagt werden, dass seine Ursprünge von alters, von den Urzeiten sind; von Bethlehem bedeutet, dass er aus dem Hause Davids sein wird, denn es ist eine lange Zeitdauer zwischen David und dem Messias-König; und er ist El (Gott), deshalb ist er von alters, von den Urzeiten her.“

Zum Abschluss dieses Themas sei noch einmal der Midrasch zitiert, der in der Auslegung zu Ps. 110:1 verschiedene Bibelstellen von Jesaja, den Psalmen und Daniel anführt [7]: „Es ist ein Aussprach der Propheten, denn Jes. 52,13 lautet: Mein Knecht wird Erfolg haben und Jes. 42,1 fügt hinzu: Hier ist mein Knecht, den ich erhalte. Es ist ein Ausspruch der Psalmen, denn Ps. 110, 1 sagt: der HERR sagt zu meinem Herrn, setze dich zu meiner Rechten und Ps.2, 7: Er sagte zu mir, Du bist mein Sohn, und an anderer Stelle steht geschrieben (Dan. 7,13): Ich schaute in Gesichten der Nacht und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie der Sohn eines Menschen. Der HERR sagte: "Du bist mein Sohn".... Diese Aussprüche werden im Messias-König in Erfüllung gehen.“

Die ersten drei Verse des Evangeliums nach Johannes lauten:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist.“

In den Qumran-Schriften finden wir erstaunlich ähnliche Gedanken wie in diesem Text aus dem Neuen Testament [10]: „Alles, was ist und jemals war kommt von dem Gott des Wissens. Bevor die Existenz von irgendetwas begann, legte er den Plan dafür fest.“

Aber das tiefste Geheimnis des Messias wird in Joh. 1:14 zum Ausdruck gebracht:

„Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“

Dieses Geheimnis des ewigen Wortes, das Mensch und damit das Abbild des unsichtbaren Gottes wurde (Kolosser 1:15), ist zu tief für unseren durch Zeit und Raum begrenzten Intellekt. Nach dem Zohar wird dieses Geheimnis eines Tages den Gläubigen geoffenbart werden [11]: „Und dieses ist der Geist, der von der verborgenen Weisheit erstehen wird und der genannt wird 'der Geist des Lebens'; und dieser Geist ist bereit, diese Weisheit zur richtigen Zeit zu geben durch den Messias-König, wie geschrieben steht (Jes. 11:2): „Und auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und Furcht des HERRN.“

Messianische Gläubige beten, dass der Tag der Offenbarung des Messias bald kommen möge: Amen, komm, Herr Jesus! (Offb. 22,20b).

Andere Gläubige beten zu Yom Kippur [12]: „Der gerechte Messias hat sich von uns abgewendet, und wir können niemand finden, der uns Gerechtigkeit erwirken kann. Das Joch unserer Sünden und Übertretungen ist eine Bürde für uns; und er wurde wegen unserer Übertretungen verwundet, er trug unsere Schulden auf seinen Schultern; es gibt Vergebung für unsere Sünden. In seinen Wunden sind wir geheilt; es ist Zeit für eine ewige Neuschöpfung. Sende ihn zurück aus den Kreisen, bring ihn aus Seir zurück, so dass wir ihn im Libanon hören können, ein zweites Mal durch Yinnon. Er ist unser Gott, unser Vater, unser König, er ist unser Erretter, und er wird uns ein zweites Mal befreien und erlösen. Er wird uns vor allen Augen ein zweites Mal seine Gnade hören lassen, wie gesagt wurde: Ich will dich am Ende erretten wie am Anfang, so dass ich dein Gott sein werde.“

Literatur

  1. Weizsäcker, C.-F. (1974) Die Einheit der Natur. dtv, München (2002)

    ISBN 978-3-423-33083-1

  2. Wheeler, J. (1989) Information, Physics, Quantum: The Search for Links

    in Anthony J.G. Hey, ed., Feynman and Computation (Reading, Mass:

    Perseus national Symposium on the foundations of Quantum Mechanics, Tokyo 1989, 354-368

  3. Zeilinger, A. (2004) Science and Ultimate Reality. Eds. J.D. Barrow, P.C.W. Davis. & L.C. Harper. Cambridge University Press.

  4. Philo of Alexandria (20 B.C.E.- 50 C.E.) zitiert nach: The Internet Encyclopedia of Philosophy, www.iep.utm.edu/p/philo.htm#H9

  5. Ising, H. Information and Energy (2016)

    https://dx.doi.org/10.6084/m9.figshare.2115400.v1

  6. Penrose R. (1989) The Emperor’s New Mind, Oxford University Press

  7. Midrasch, zitiert nach Santala R. Der Messias im AT, Hänsler, 1997 S.173-174

  8. Rashi’s Kommentar zu Micha 5:1b

    http://www.chabad.org/library/bible_cdo/aid/16191/showrashi/true

  9. Radak: Mikraôth Gedolôth commentary
  10. Qumran: 1 QS III:15-16
  11. Zohar, part III p.289, "Amsterdam edition"
  12. Prayer book for the Day of Atonement, New York: Hebrew Publishing Co., 1901, p. 282-284

    https://archive.org/details/maohzorlayomkipp00unknuoft (In neueren Ausgaben ausgelassen).